Der Eindruck, dass Nähe zunehmend schwerer zu finden ist, steht in engem Zusammenhang mit der Art, wie Begegnungen heute stattfinden. In vielen Fällen sind Kontakte von Anfang an auf einen schnellen Austausch ausgerichtet. Es geht darum, sich kennenzulernen, Eindrücke zu sammeln und zu prüfen, ob es passt. Dieser Prozess ist effizient, lässt jedoch oft wenig Raum für Entwicklung.
Nähe benötigt Zeit, Wiederholung und eine gewisse Verlässlichkeit. Sie entsteht nicht in einem einzelnen Moment, sondern entwickelt sich über mehrere Begegnungen hinweg. Wenn Kontakte jedoch früh abbrechen oder auf einer oberflächlichen Ebene verbleiben, kann sich diese Tiefe kaum entfalten.
Ein Beispiel, das viele Frauen nachvollziehen können, ist ein erstes Treffen, das als angenehm, stimmig und teilweise sogar intensiv erlebt wird. Das Gespräch ist gut, die Atmosphäre entspannt, vielleicht entsteht auch körperliche Nähe. In der Folge verliert der Kontakt jedoch an Dynamik oder endet vollständig. Es bleibt kein konkreter Konflikt zurück, sondern eher das Gefühl, dass etwas begonnen hat, das nicht weitergeführt wurde.