Maximilian:
Du sprichst von Präsenz. Das ist ein Begriff, den viele verwenden – aber selten wirklich leben. Was bedeutet das konkret im Escort?
Sascha:
“Präsenz zeigen” ist teilweise zu einem Modewort verkommen (lacht). Früher sollten Männer “empathischer sein”, vor der Empathie-Phase lag der Fokus eher auf klassischen Rollenbildern, wie “Versorger sein” und “sich stark und kontrolliert” geben.
Präsenz bedeutet für mich im Escort keine feste Agenda im Kopf zu haben. Kein „Was bekomme ich?“ Versuchen, sich vom “Leistungsdenken” frei zu machen. Davon haben viele Menschen mehr als genug im Alltag.
Ein Treffen zwischen Frau und Mann, in dem es kribbeln soll und sich beide bewusst Zeit für Zweisamkeit nehmen, ist nicht der Ort dafür.
Präsenz bedeutet für mich auch: zu fühlen und zum Ausdruck zu bringen, was gerade in mir selbst als Mann passiert. Also emotional, ohne passiv zu sein, Initiative übernehmen zu können, ohne plumpe Dominanz.
Dazu einige Beispiele:
Vor und gerade beim ersten persönlichen Aufeinandertreffen ist eine Frau naturlicherweise aufgeregt und selbstverständlich bin ich es auch und bringe das bei der ersten Begegnung auch zum Ausdruck. Schließlich treffe ich die Frau auch zum ersten Mal.
Und schon schmilzt das Eis, mehr Leichtigkeit darf sich zwischen uns ausbreiten.
Oder, wenn wir uns körperlich nah kommen: manchmal gibt es Momente, in denen ich merke, dass es etwas anderes braucht, damit sich noch mehr Entspannung, noch mehr Nähe öffnen kann.
Ein Mann sollte sich in einer solchen Situation nicht zu schade sein, z.B. sagen zu können: “Führe einmal meine Hand, so wie du es am Schönsten empfindest, du kennst deinen Körper am besten.”
Frauen sind keine Versuchskaninchen, an denen wir unser gesamte Repertoire ausprobieren sollten, und sei es noch so vermeintlich einfühlsam. Dasselbe gilt auch umgekehrt.
Es sind die Nuancen, die den entscheidenden Unterschied machen. Wie bei der neuen Wandfarbe, bei der sofort zu sehen ist, ob der Farbton einen Ticken zu hell oder zu dunkel ist.
Sich als Mann eingestehen können, nicht alles können und wissen zu müssen - das ist auch Präsenz.
Ich muss immer etwas schmunzeln, wenn Männer, auch Callboys, in Interviews erzählen, dass sie jede Frau “befriedigen” und “zum Orgasmus bringen” können. Vielleicht braucht mancher diese Aussage noch für das Ego - der Mantel für unsere Verletzlichkeit und Unvollkommenheit.